Göttingen, 17.09.2018

Station der Deutschen Märchenstraße

Göttingen, eine der wichtigsten Lebensstationen der Brüder Grimm, begrüßt mich direkt bei meiner Ankunft mit einem quer über die Straße gespannten Banner aus Anlass des bevorstehenden Gänseliesel-Fest und weist mir den Weg zu dem Wahrzeichen der Universitätsstadt: der Marktbrunnen vor dem Alten Rathaus mit der 1901 aufgestellten Gänseliesel, das meistgeküsste Mädchen der Welt. Denn nach altem Brauch muss jeder frisch promovierte Doktor der Universität die Brunnenfigur küssen. Und es dauert auch nicht lange, da ward sie wieder frisch geküsst. Mehr zu dem Märchen von der Gänseliesel lest Ihr [HIER].

Ihr Aufenthalt in Göttingen hatte nachhaltigen Einfluss auf das Leben der Brüder Grimm – aber auch auf die Geschichte der Stadt. 1837 unterzeichneten die Brüder Grimm gemeinsam mit fünf weiteren Professoren, die sogenannten berühmten "Göttinger Sieben", eine Protestschrift gegen einen Verfassungsbruch des Königs Ernst August I. von Hannover. Dieser Protest hatte harte Folgen: sie wurden aus dem Dienst an der Göttinger Universität entlassen und Jacob Grimm sogar des Landes verwiesen. Dennoch fand die Aktion der "Göttinger Sieben" Beachtung in ganz Deutschland und so wurden die Brüder Grimm und weitere ihrer Göttinger Mitstreiter im Jahr 1848 Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung.

In den Jahren 1829 bis 1837 lehrten die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm an der berühmten Universität. Neben ihrer Lehrtätigkeit und ihrer Arbeit als Bibliothekare stellten die beiden Brüder in Göttingen eine große Zahl bedeutender Veröffentlichungen fertig, beispielsweise zwei weitere Bände der "Deutschen Grammatik", die "Deutsche Mythologie" sowie die dritte Auflage der "Kinder- und Hausmärchen". An ihre Zeit in Göttingen erinnern eine Gedenktafel in der Goetheallee Nr. 6 und die Paulinerkirche mit dem historischen Bibliothekssaal. Darüber hinaus versammeln alljährlich im Februar die Göttinger Figurentheatertage renommierte deutsche Bühnen. Sie lassen dann in – nicht nur – märchenhaften Inszenierungen für Jung und Alt die Puppen tanzen.

Was mich jedoch bei meinem Besuch von Göttingen nachhaltig beeindruckt hat, spiegelt sich in dem Slogan, mit dem die Stadt für sich wirbt: Stadt, die Wissen schafft! Und das macht sich nicht nur im Stadtbild bemerkbar, man spürt auch förmlich den hohen IQ, der einen hier in Göttingen umgibt. Es liegt zweifelsohne an der großen Schar der Professoren und Studenten, die hier in Göttingen lehren und studieren. Mit einem Anteil von rund 20 Prozent Studenten an der Bevölkerung ist das städtische Leben stark vom Bildungs- und Forschungsbetrieb der Georg-August-Universität, der ältesten und größten Universität Niedersachsens, und zweier weiterer Hochschulen geprägt. Es drückt sich aber auch in dem Begriff “Göttinger Nobelpreiswunder“ aus. Denn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird weltweit keine andere Universität so häufig in Verbindung mit einem Nobelpreis genannt. Unter den zahlreichen Persönlichkeiten, die in den vergangenen 100 Jahren mit dem bekanntesten Forschungspreis geehrt wurden, befinden sich allein 45 Preisträger, deren Lebensläufe mit der Wissenschaftsstadt Göttingen verknüpft sind. Acht der Geistesgrößen liegen sogar auf dem Stadtfriedhof an der Weender Landstraße begraben. Ihnen zu Ehren ist im südlichen Teil des Friedhofes 2006 zum 125-jährigen Bestehen des Friedhofes das sogenannte Nobel-Rondell errichtet worden. Damit soll den Wissenschaftlern und Nobelpreisträgern Otto Wallach ( Nobelpreis für Chemie 1910), Max Planck ( Nobelpreis für Physik 1918), Walther Nernst(Nobelpreis für Chemie 1920), Richard Zsigmondy (Nobelpreis für Chemie 1925), Adolf Windaus (Nobelpreis für Chemie 1928), Max von Laue (Nobelpreis für Physik 1914), Otto Hahn (Nobelpreis für Chemie 1944) und Max Born (Nobelpreis für Physik 1954) gedacht werden.

So hat auch mein Hirn hier in dieser schönen Stadt reichlich Nahrung gefunden. Bemerkenswert ist zudem – was ganz wohlgefällig für meine Augen war – die gelungene Mischung aus historischem Bestand alter Häuser und der modernen Architektur, die sich hier sehr harmonisch in einander fügen. Eine saubere Innenstadt, an den Häusern überall Gedenktafeln berühmter Persönlichkeiten, die hier einst gelebt haben, viele empfehlenswerte Cafés und Restaurants, viele junge Leute, die abends auf dem Wilhelmsplatz gemütlich beisammen sitzen – alles in allem eine wunderschöne, lebendige und intelligente Stadt, die Ihr auf Eurer Reise entlang der Deutschen Märchenstraße nicht missen solltet. Ein Ort, den ich schon bald mal wieder besuchen möchte. Der Göttinger Literaturherbst jedes Jahr im Oktober scheint mir ein passender Anlass zu sein. Allen anderen, die “Wissen, was Kultur ist!“ sei ein Blick in den [>> Veranstaltungskalender] zu empfehlen

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